Eigentlich ist diese direkte Frage in einer freiheitlichen Gesellschaft nur mit einem Quäntchen Humor zu beantworten.
Die Antwort auf diese Frage wird seit Jahrtausenden immer wieder neu definiert.
Zunächst kommt der Begriff vom griechischen Wort polis (=Stadt).
Es handelte sich im alten Athen und später noch um die Stadtbüttel, die sich um die Einhaltung der primitivsten Regeln des gedeihlichen Zusammenlebens kümmerten.
Meist war der Polizist eher ein „Mein Freud – ich helfe Dir!“ als „Dein Freund und Helfer“.
Er stand früher parteiisch und abhängig immer im Dienst eines Herren, der ihn für seine Zwecke bezahlte.
Heute ist der Polizist verlässlicher Partner des Bürgers bei der Bewältigung vieler ordnungsempfindlicher
Bereiche des Alltagslebens. Von allen Mitmenschen ist der Polizist, je nach augenblicklicher Sichtweise des
Betroffenen, der am dringendsten Benötigte oder der am meisten Unerwünschte.
Der Humorist sieht das gelegentlich so:
Von vorn wird die „seltsam namenlose Kreatur“ unterwürfig als „Herr Wachtmeister“ angesprochen und von hinten mutig als „Bulle“ tituliert.
Es ist dem Bürger schon recht schwer, sich in einer mit vielen Freiheitsrechten ausgestatteten
Zivilgesellschaft mit der Existenz eines funktionierenden Ordnungsfaktors zu arrangieren. Es ist schon verführerisch,
dieses „... wenn keiner guckt, mach ich, was ich will ...!“ Nur das Erwischtwerden tut dann doch weh und wer ist
schuld? Natürlich der Polizist! ... und mitnichten der Delinquent. Das ist der Gang der Dinge, mit der ein Polizist sein Dienstleben fristen muss!
Seine persönliche Qualifikation mit einem zwinkernden Auge:
- Er muss so diplomatisch sein, dass nach Beilegung von Streitigkeiten jeder der Beteiligten glaubt, er habe alleine Recht bekommen.
- Er muss in der Lage sein, sich mit zwei Männern herum zu schagen, die doppelt so groß und halb so alt sind wie er, doch darf er dabei seine Uniform keineswegs beschädigen und muss darauf achten, dass man ihm nicht später noch „unrechtmäßig hartes Einschreiten“ vorwirft.
- Er muss sich zehn Nächte lang mühen, einen unbekannten, wichtigen Augenzeugen zu suchen, der sich dann partout an nichts mehr erinnern kann oder will.
- Ein Polizist muss alles wissen und darf nichts sagen.
- Er studiert Akten und schreibt sich die Finger wund mit Berichten, um endlich ein Verfahren gegen einen Intensivtäter in Gang zu setzen, der dann letztendlich doch – wegen nicht hinreichender Beweislage – wieder auf freien Fuß gesetzt wird.
- Ist er freundlich, heißt es, er biedert sich an. Ist er es nicht, heißt es, er sei ein mürrischer Kerl.
- Wenn er sich im Einsatz schlagen lässt, ist er ein Feigling, greift er beherzt durch, gilt er als Rohling.
- Er muss die Sünde und das Verbrechen in und auswendig kennen – doch soll er sich ihnen nicht nähern!!
Zum Bild oben:
Volker Holle, Obermeister der Volkspolizei.
Er verstarb bei einem Verkehrsunfall am 25.03.1993 im Alter von 43 Jahren. Er war mit Leib und Seele Polizist, zugleich war er ein guter Freund,
der mir beim Start des Aufbaus meiner Sammlung (1990) half und mich unterstützte.
Er wird mir stets in freundschaftlicher Erinnerung bleiben.
Heinz Grünwald
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